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Auszug Seite 82
legitimieren wollen. Allein schon die Masse solcher Artikel impliziert, dass die Stilfrage zu Recht gestellt wird.
Jeder Nutzer sollte sich darüber im Klaren sein, dass eine E-Mail – wie jede andere Nachricht auch – neben dem sachlichen Inhalt auch etwas über den Absender verrät. So sind durchaus Rückschlüsse auf den Bildungsstand und die Medienkompetenz des Absenders, aber auch auf den Organisationsgrad eines Unternehmens möglich.
Die meisten Menschen haben – je nachdem, mit wem sie zu tun haben – eine bestimmte Erwartungshaltung: Der eigene Chef, der Arzt des Vertrauens oder der Autohändler einer angesehenen Nobelmarke sind in unserem Denken mit bestimmten Eigenschaften und Fähigkeiten verknüpft. Werden diese teils unbewussten Erwartungen an die äußere Form enttäuscht, kann unser Bild vom Gegenüber Schaden nehmen.
7.3.1 Weshalb E-Mail-Netiquette Quatsch ist
Angeblich hat sich im Mail-Verkehr ein neuer Schreibstil entwickelt. Das stimmt so nicht. Die Ursache für diesen Irrtum liegt darin, aus dem Kommunikationsgepflogenheiten einzelner Anwendergruppen oder Bran-chen Regeln ableiten zu wollen, und diese anschließend zur allgemein üblichen und mediengerechten Vorgehensweise zu erklären.
Vieles, was in der Vergangenheit als "die neue Wirklichkeit" beschrieben wurde, ist längst von der Realität wieder eingeholt worden. Es ist einfach falsch, beispielsweise den Stil in Internetforen zu analysieren und daraus allgemeine Rückschlüsse auf die Kommunikation per E-Mail abzuleiten.
Richtig ist, dass bei Mails mehrere verschiedene Stile nebeneinander existieren. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass Mails nicht nur anstelle des konventionellen Briefverkehrs eingesetzt werden, sondern außerdem häufig als Ersatz für Telefonate und Kurzmitteilungen dienen – bis hin zu Anwendungen im Internet, die es früher nicht gab.
In jeder dieser unterschiedlichen Nachrichtenformen pflegt man gewöhnlich einen etwas anderen Stil. Eine Telefonnotiz ist anders aufgebaut als ein Gesprächsprotokoll. Außerdem gibt es Unterschiede, ob eine Aufzeichnung für Ihren Kollegen ist, mit dem Sie vielleicht sogar privat befreundet sind, oder für den Abteilungsleiter. Wenn Sie dem Vorstand in
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